Mogelpackung oder vollmundige Versprechen

Danke das Du bei NONFOOD bist. Ja. Gerne. Hmmmmm…
Die Firmenfeier (kleine Entschädigung für die entgangene Sommerfeier und Weihnachtsfeier letztes Jahr), fand als Frühjahrsfete auf St. Pauli im Gaga-Club statt. Schicke Lokation, vermutlich so überhaupt nicht meine Musikrichtung die dort sonst so gespielt würde. Das Essen, anfangs Fingerfood, danach 3 verschiedene Gerichte, alles sehr überschaubare Portionen, sehr experimentell. Ich liebe ja so ziemlich jedes Essen aus allen Ländern. Aber. Das was es dort gab fand ich sehr gewöhnungsbedürftig. Sie unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wollten oft so gar nicht zusammen passen.

Vor dem Hauptgericht gab es natürlich noch eine Rede, wie toll wir alle sind, wie toll alles werden wird.
Der Umzug verschiebt sich, alles zu teuer und oder zu klein in den gewünschten Lagen. (Na ach)
Darüber bin ich nicht so unglücklich, da mein Fahrtweg so noch eine Zeit lang angenehm bleiben wird.
Wir werden uns verändern, müssen uns verändern. Jadda, jadda. Und so weiter. Somit gibt es ein neues Corporate Design, einen weiteren Firmenzweig der sich wohl mit Lebensmittelverpackungen beschäftigen soll.

Dann kam noch ein elend langer Vortrag (von einer gebuchten Agentur deren Namen ich auch schon verdrängt habe) über Zukunft und wie alles besser, schöner, toller werden wird.
Was es schon für tolle Dinge gibt wie das bezahlen mit Gesichtserkennung und wie großartig das der Vorreiter China schon so großflächig umgesetzt hat, wie gut die Leute das dort annehmen ohne sich paranoide Gedanken zu machen. Alexa, so toll, so einfach, so praktisch. Unverständlich das wir da hier so verspannt sind. Sprachassistenten so hilfreich, und wieder die die Deutschen solche Spaßbremsen mit ihren Bedenken wegen Datenschutz.
Man stelle sich vor autonomes Fahren, z.B. als öffentlicher Nahverkehr, ganz kostenlos nur Werbeeinblendungen ganz auf mich zugeschnitten! So Toll!
Das ist die Kurzfassung des 1 Stunde langen, komplett unreflektierten, unkritschen Vortrags. Ich habe ich nur noch gegruselt. 1984 klingt mega chillig gegen die Zukunftsvision dieses Vortrages! Was das alles mit mit als Teil der großen Familie der NONFOOD zutun hat, hat sich mir gar nicht erschlossen. Wir produzieren Verpackungen…..

Jeder der mich kennt weiß wie toll ich all die neuen Dinge finde die sich die Technik so ausdenkt. Aber niemals würde ich mir eine Alexa in die Bude stellen, nach dem letzten Bericht gleich 2x nicht! Ja, praktisch, nein, weil ich nicht absehen kann was sie alles aufnimmt, wer das alles zu hören bekommt und ob ich das dann auch möchte das diese Personen das dann hören.
Mit dem Gesichtbezahlen, ja, super praktisch, aber das wer wird alles wissen, was ich, wann und wo gekauft habe. Und was werden diese dann mit diesen Daten tun?
Mit Werbung zur Arbeit. Ja, aber nein. Wenn ich dann tatsächlich ca. 1,5 Stunden zur Arbeit brauche und diese Zeit komplett mit Werbung gefüllt wird, kann man mich nach spätestens 1 Woche einweisen. So schön mit extra nervigen Spots beschallen.

Nach diesem Vortrag der mich irgendwo zwischen fassungslos und ratlos zurück ließ, gab es endlich essen, danach Party und tanzen. Also für die anderen, ich tanze nicht und schon gar nicht zu Musik die ich nicht mag. Noch schnell ein paar witzige Bilder in der Photobooth und endlich darf ich gehen, hab mein Gesicht lange genug in die Runde gehalten.
Und ach ja, für alle gibt es zum Abschluß noch eine kleine Überraschung. Als Dankeschön für unsere Arbeit.
Ich weiß nur noch nicht was ich davon halten soll. Das Ding ist etwas, was man auf der Messe geschenkt bekommt, als Wertschätzung finde ich es, ja, gute Frage wie finde ich es?

2 Replies to “Mogelpackung oder vollmundige Versprechen”

  1. Wie findet man das? Kommt drauf an:

    Wenn sich die Wertschätzung wortwörtlich wie auffm Karton angekündigt „outside the box“ befand und aus einer satten Bonuszahlung bestand: zwangswitzig, aber dann hat man wenigstens symbolisch was in der Hand.
    Wenn jemand die Messe-Werbegaben mit den eigentlichen Geschenken vertauscht hat: verplant, und hoffentlich gab es das eigentliche später doch noch.
    Wenn das alles war: oh brave new world, in der man sich dafür bedanken soll daß einem jemand etwas schlechtes tut. Und als Bezahlung für zwei Stunden Unsinn ertragen ist es (selbst wenn man das übersichtliche Essen dazuzählt) eher mager.

    Irgendwie fehlt nach 1984 und Brave New World noch I, Robot bei den Dystopien; wurde aber von Alexa (die mich sowieso an VIKI erinnert – und das ist der Grund warum ich mir nie eine anschaffen würde) hinreichend vertreten.
    Warum konnten wir aus den ganzen alten Science-Fiction-Büchern nicht wenigstens auch die fliegenden Skateboards, Weltraumlifts, und Ferien auf dem Mars bekommen; sondern nur diesen ganzen dystopischen Müll, vor dem uns die Visionäre immer gewarnt haben? seufz

    Liken

    1. Ja. Leider war das alles was es gab. Deswegen fand ich das auch insgesamt eher ungenügend. Und ja das hast du perfekt zusammengefasst. Irgendwie wird nur das unschöne übernommen, nicht aber der ganze coole Kram der den dystoischen Teil erträglich machen würde…..

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